Ginge es hier um Bayern München, wäre der Begriff “Kinder- und Jugendsport“ gleichzusetzen mit "Talentförderung", die nicht früh genug einsetzen kann, damit mal ein gut verdienender Star heranwachsen kann. Bei der RSG ist das
ein wenig anders. Die Kinder und Jugendlichen sollen zwar auch schwitzen, geschickter und kräftiger werden; auch sie sollen im sportlichen Umfeld Grenzen kennen lernen und soziale Herausforderungen meistern. Aber in der Regel werden daraus
keine Spitzensportler, - Ausnahmen werden gerne billigend in Kauf genommen - sondern eher selbständige, selbstbewusste und rücksichtsvolle behinderte Menschen, die nicht zuletzt durch den Sport ihren Horizont wesentlich erweitern können.
Deshalb finden die Aktivitäten auch nicht nur in der Sporthalle oder im Schwimmbad statt, sondern auch da, wo das "richtige Leben" spielt.
Im Laufe der Jahrzehnte hat es in dieser Gruppe immer wieder Höhepunkte gegeben,
die weit über das Klischee des Sports hinausreichen.
Beispiel 1: Singnachmittag in der Pizzeria
Im Schnitt ein Mal in zwei Jahren trifft sich die Kinder- und Jugendgruppe in einer Pizzeria, in der auch ein Klavier steht, zu einem Singnachmittag. Nicht das Schwitzen,
sondern eher das Schwätzen steht im Vordergrund. Und natürlich der Gesang, wobei es keine Rolle spielt, wie gut, sondern wie gern gesungen wird. Lachen und Singen
sind zwei wichtige Pfeiler der Pädagogik, die in unserer Kultur in den Hintergrund zu rutschen drohen.
Beispiel 2: Reise nach Israel
Im Jahre 1998 erhielten wir eine Einladung aus Israel, dort 10 Tage zu verbringen. Eine 29-köpfige Gruppe, bestehend aus Kindern und deren Eltern erlebte Unvergessenes:
- Reisen mit Rolli im Flugzeug bzw. Bus;
- eine ganz andere Sprache und Kultur;
- die Spuren der deutsch-israelischen Vergangenheit;
- ein reizvolles gastfreundliches Land mit Kamelreiten, orientalischen Märkten, frisch
gepressten Orangen, feilschenden und nicht selten schimpfenden Orientalen...
Aber auch das weitgehend problemlose Miteinander verschiedener Religionen und
schließlich die jüdischen und christlichen Ursprünge. Ganz zu schweigen von einer "Gruppendynamik", die ständig neu wuchs und herausgefordert wurde.
Beispiel 3: Aufenthalt in der Jugendherberge Sargenroth
Für das Wachsen einer starken Persönlichkeit sind Selbstbewusstsein und
Selbständigkeit überaus wichtig. Dazu braucht jedes Kind Phasen ohne den Schutz und die Hilfe der Eltern. Eine solche Gelegenheit bietet sich in einer Jugendherberge.
In unserem Falle, in Sargenroth im Hunsrück, waren weder die Umgebung, noch die Zimmer mit ihren Stockwerkbetten rollstuhlgerecht. Aber gerade der Reiz, Dinge zu
bewältigen und nicht alle Hindernisse gleich bei Seite geräumt zu bekommen, war wichtig.
Beispiel 4:
Basketball-Turnier Eltern gegen Kinder
Kommunikation ist das A und O im Miteinander, wenn Missverständnisse gar nicht erst aufkommen sollen. Die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern ist besonders,
wenn eine der beiden Parteien pubertiert, nicht nur schwierig, sondern grundlegend. Und klappen wird es eher, wenn man den anderen versteht, sich einmal in seine Lage
zu versetzen sucht. Diese Idee liegt dem jährlich stattfindenden Eltern-Kinder-Basketball-Turnier zu Grunde, bei der die Gaudi und das "Versagen" der Eltern auch ihren Platz haben.
Weitere Ideen?
Wir, die Kinder- und Jugendgruppe sind offen dafür. Schließlich stehen wir auf vier Rädern mit beiden Füßen mitten im Leben.
Arno Becker


letzte Aktualisierung
30.04.2012
RSG Aktuell 05/2012
Unsere
Sponsoren: